Die Yolo-Gruppen der SAG
Anno 1993 wurde mit der Aktion-Yolo eine Kampagne gestartet, um den
Instrumenten-Selbstbau zu beleben. Es sollte ein Gegengewicht zur Gepflogenheit geschaffen
werden, nur noch kommerzielle Massenprodukte zu kaufen. Als Folge dieser Kampagne bildete sich
das Yolo-Team I. Im Jahre 1997 ist ein zweites Arbeitsteam hinzugekommen.
Das Yolo-System
Die Aktion-Yolo und die Arbeitsgruppen haben ihren Namen vom
Yolo-System, das in den späten 50er Jahren von Prof. Arthur S.
Leonard in California erfunden wurde. Es ist eine TCT-Optik (Tilted Component
Telescope), bei der die Spiegel gekippt (tilted) sind. Zu den TCT-Systemen zählt auch das
Herschel-System und der Kutter-Schiefspiegler.
Diese Systeme haben im Strahlengang keine abschattenden Elemente (Fangspiegel,
Sekundärspiegel, Fangspiegelspinne, usw.) welche eine zusätzliche Beugung
verursachen und somit das Kontrastverhalten herabsetzen.
Bewertet man das Yolo-System "integral", dann ist es bei Öffnungsverhältnissen
> 1:12, das beste Spiegelsystem, das es überhaupt gibt. Es besitzt eine gute
Bildfehlerkorrektur und exzellente Kontrasteigenschaften. Für die Beobachtung von Planeten
und Objekten mit hohen Kontrastanforderungen ist es das Teleskopsystem der Wahl.
"Integrale Bewertung" meint, dass nicht nur theoretische Systemaspekte, wie die
Bildfehlerkorrektur, die MTF (Modulation Transfer Function) usw., sondern auch die praktischen
Herstellbarkeitsaspekte, die für einen amateurmässigen Bau massgebend sind, in die
Bewertung einbezogen sind. Ein theoretisch exzellentes System nützt dem Amateur wenig,
wenn es von ihm nicht in adäquater Qualität hergestellt werden kann.
Das Yolo-System besitzt zwei konkave Spiegel, die das Petzvalkriterium
erfüllen; die Systembrechkraft teilt sich zu etwa zwei gleichen Teilen auf die
Brechkräfte der beiden Spiegel auf. Ein Systemöffnungsverhältnis von 1:12
ergibt sich dem gemäss durch die Kombination zweier Konkavspiegel von 1:24. Bei
so schwach gekrümmten Spiegeln sind die inhärenten Bildfehler beider Spiegel
sehr klein. Allerdings werden durch das Kippen der Spiegel axiale Koma und axialer
Astigmatismus eingeführt. Diese Bildfehler können jedoch durch geeignete Wahl
der Kippwinkel und der Spiegelform exakt behoben werden. Einer der beiden Spiegel muss dazu
die Form eines Toroids (ein offaxialer Ausschnitt einer rotationssymmetrischen
Kurve) erhalten.
Amerikanische Amateure und Mitglieder unseres Schweizer Yolo-Teams haben gezeigt, dass
Toroidspiegel mit hoher Genauigkeit geschliffen werden können. Die konkaven Spiegel
für ein Yolo-System lassen sich zudem einfach ohne Hilfsoptik mit der
Focault-Methode messen. Kommt noch hinzu, dass es sich dabei, im Gegensatz zu
Parabolspiegeln, um einen Nulltest handelt. Wellenfrontfehler von lamda/40 können damit
gut detektiert und gegebenenfalls mit Geduld retuschiert werden. Das Yolo-System hat noch eine
Reihe weiterer Vorteile, die hier nicht aufgezählt werden. Ein Nachteil ist seine
Baulänge. Sie ist vergleichbar mit der eines äquivalenten Refraktors.
Philosphophie und Zweck der Aktion-Yolo
- Vermitteln der physikalischen und optischen Grundlagen und der fach- und sachgerechten
Basteltechniken zum Schliff einer "sophisticated Telescope Optic" (intelektuell
anspruchsvolle Teleskopoptik).
- Zeigen, dass mit den dem Amateur zugänglichen Mitteln, eine solche Optik in
Topqualität hergestellt werden kann, die den meisten kommerziellen Optiken weit
überlegen ist.
Die Yolo-Teams der SAG
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Fünf fertige Yolos
(JPEG, 33kB)
Seit 1997 bestehen in der Schweiz zwei Yolo-Teams mit total 25 sehr
motivierten Teilnehmern. Vom Team I, das seit etwa 4 Jahren tätig ist, wurden fast ein
Dutzend Yolo-Systeme gebaut. Eine Reihe davon sind seit einigen Jahren im Einsatz. Sie haben
die prognostizierten Eigenschaften in so hohem Masse erfüllt, dass einige Teilnehmer
bereits einen zweiten oder sogar dritten Yolo gebaut oder in Bau haben. Bei einigen dieser
amateurmässig hergestellten Systemen handelt es sich sogar um Yolo-Aplanate, die
man mit Fug und Recht als die komplexesten Teleskopoptiken bezeichnen kann, die je von
Amateuren geschliffen wurden.
Die Mitglieder der beiden Yolo-Teams rekrutieren sich aus vielen Berufen und gehören
allen Altersklassen an. Sie reichen vom Lehrling und Studenten, über handwerkliche
und kommerzielle Berufe bis zum Arzt und Diplomphysiker. Wie funktioniert die Arbeit in
diesen Baugruppen?
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150mm Yolo in Holztubus
(JPEG, 32kB)
In regelmässig stattfindenden Seminaren werden sowohl die technischen und optischen
Grundlagen als auch die handwerklichen Instruktionen für den Schliff der Spiegel und den
Bau der mechanischen Komponenten vermittelt. Bei diesen Seminaren findet jeweils ein
Gedankenaustausch über gemachte Erfahrungen und aufgetretende Probleme statt. Neben
diesen Seminaren werden Bastelnachmittage organisiert. In diesen werden Teile und Komponenten
bei Teamkollegen hergestellt, die über die erforderlichen Einrichtungen verfügen.
Der Schliff der Spiegel und die Herstellung des Tubus erfolgt hingegen daheim. Jeder kann so
frei über seine zeitlichen Gegebenheiten verfügen.
Die Herstellung eines Yolo-Teleskopes ist eine ausserordentlich faszinierende
Beschäftigung und keineswegs ein Selbstzweck. Alle bisher fertiggestellten Instrumente
werden von Ihren Besitzern am Himmel eifrig benützt und das, wege ihren exzellenten
optischen Eigenschaften, mit grosser Befriedigung.
| Autor und Leiter: |
Herwin G. Ziegler
Ringstrasse 1a
CH-5415 Nussbaumen
Tel. +41-56-282'27'74
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| WWW-Kontaktperson: |
Josef Schibli
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Weitere Yolo-Infos im Web